Archive für 24.7.2011

DM in Kassel

Mit Josefina, Isabell und Pascal waren an diesem Wochenende gleich drei SCR-Athleten bei den Deutschen Meisterschaften in Kassel mit von der Partie.
Isabell machte am Samstag den Anfang über 1500m. Eigentlich hatten wir darauf spekuliert, dass die Vorläufe wie im Vorjahr ausfallen, aber daraus wurde nichts. Obwohl nur 13 Athletinnen ihre Stellplatzkarte abgegeben hatten, liefen die Frauen 2 Vorläufe, damit schließlich nur eine ausscheidet :-( . Man entschied sich dazu zu laufen, damit die Zuschauer etwas geboten bekommen, da sie auch Eintritt bezahlt hatten. Aus Rönnauer Sicht hieß es also nicht letzte werden, um ins Finale zu kommen. In einem taktischen Rennen bummelten die Läuferinnen mit der jahresschnellsten Harrer 1100m vor sich hin, bis Corinna die Schlussrunde angezogen hatte. Bis dahin war das Feld recht dicht beieinander. Isa konnte den Schlussspurt ganz gut mitgehen und ließ zwei Konkurentinnen hinter sich zurück. Das Finale war geschafft, die Zeit unerheblich.

Pascal war mit gemischten Gefühlen angereist und blickt auf eine Saison zurück, die trotz sehr guter Vorbereitung durch seine Hände glitt. Seit dem Trainingslager in Chiclana machten neben einer Muskelverletzung immer wiederkehrende Infekte einen kontinuierlichen Formaufbau unmöglich. Seine 400m-Zeiten waren national betrachtet einfach keine Top-Zeiten und auch Pascal wurde nicht annähernd seinen eigenen Ansprüchen gerecht. So sehr hatten wir eine Bestzeit und auch die WM im Blick. Der Körper sagte wieder und wieder nein und so stand er an diesem Wochenende vor seinem letzten Versuch, in dieser Saison doch noch auf Touren zu kommen. Couragiert ging er die ersten 200m in 22,4s an und lag kurzfristig vorne. In der Kurve zog der in dieser Saison übermächtige Thomas Schneider an ihm vorbei. Pascal wollte sich reinhängen, aber seine Beine signalisierten ihm: “das wird nichts…!” Auf der Zielgeraden wurde er von zwei weiteren Kontrahenten überholt und musste als vierter mit einer Zeit von 47,31s und Platz 12 seine letzte Hoffnung auf einen Finalplatz begraben. Pascal war trotzdem zufrieden, nicht mit der Zeit, aber mit sich selbst. Er hat alles gegeben, aber der Akku war nicht voll. Dann geht es nicht. Wer Pascal kennt, der weiß, auch wenn er jetzt 3 Jahre hinter sich hat, die nicht so liefen wie gewünscht, dass er zurückkommen wird. Auch wenn er schon sehr viel Geduld aufgebracht hat. Jetzt erst recht!

Josefina war laut Meldeleistung keine Favoritin für eine Endlaufteilnahme. Da es auch keine Zwischenläufe gab, hieß es also, alles auf eine Karte zu setzen, um sich mit einer tollen 100m Zeit aus der Saison zu verabschieden. Josefina hatte in diesem Jahr ihr Abitur gemacht und nicht immer so trainieren können wie sie wollte. Zuletzt tat ihr das Knie weh und so musste sie vor den Deutschen Meisterschaften mit Physiotherapie und Pause die Zeit zur Genesung nutzen. Josi ist aber eine Meisterschaftsläuferin. Sie hat die Fähigkeit sich auf den Punkt zu motivieren und an ihre Grenzen zu gehen. Bislang lief sie ihre Rennen stets mit Gegenwind.
Wieso sollte es in Kassel anders sein? Mit 2,1m Gegenwind lief sie 11,99s!!! Was war das für ein Rennen. Kurz vor dem Schuss sackte sie in ihren Startblock zurück, “reagierte” als letzte, setzte einen zögerlichen Schritt und “zack” waren alle anderen ein Schritt voraus. Hier sind mindestens 15 Hundertstel liegen geblieben. Danach rannte sie ein irres Rennen. Nach dem verpatzen Start drehte sie auf, kam in ihrem Fliegendsprint auf Geschwindigkeiten, die bislang unmöglich waren und rollte das Feld von hinten auf. In der Endabrechnung wurde sie 10.! Nur 3 Hundertstel haben zum Finaleinzug gefehlt!!! Da mag man gar nicht über den Start und verlorene 15 Hundertstel oder Gegenwind nachdenken :-( .
Dieses Rennen hätte eine neue Bestzeit verdient und sie wäre auch gefallen. Alleine ohne Gegenwind wäre dies eine 11,85s geworden…
Nicht grämen! Aber so ist sie auch nicht. Heute geht es nach Paris und dort verbringt sie eine Woche Urlaub mit ihrer Familie! Schon bald wird sie Deutschland für längere Zeit hinter sich lassen. Es zieht sie nach Barcelona. Work&Travel heißt sowas ja gewöhnlich, aber wer Josi kennt der weiß was das eigentlich ist ;-) !
Wahrscheinlich wird es eine:
“Work&Chill&Travel&Social&Confusing&Depressing&Lovely&Bestplaceever&Friends&
Ineedtocomehome&Sportismylife&Iwillstayhereforever&Thisisme”-Zeit!

Viel Spass, Josi!

…und eine schöne Zeit!

NDM Celle

Nachtrag kommt

Live-Erlebnis Lille!

Daß Eurosport entgegen ersten Ankündigungen erst keine Bilder von der U18 WM in Lille zeigte und dann auch später nur mäßige , weil unqualifizierte Berichterstattung ablieferte , ärgerte so manchen Leichtathletik-Fan.

Da hilft nur eins:
Aufs Fernsehen pfeifen und selber hinfahren! :-)

Unterstützung für diesen “Kurztrip” nach Frankreich fand ich in Maya´s Trainingskollegen Fabian. Freitagabend gestartet , waren wir also rechtzeitig Samstagfrüh gegen 8uhr vor den Stadiontoren in Lille. Die “Morning Session” bei feuchtkühlen 13-14Grad , als Warm Up. Ein bißchen paradox. Sommer ist irgendwie anders!
Dennoch , das besondere Flair einer WM ist zu spüren. Über 2000 Athleten aus 180 Nationen sind hier gemeldet.
“Afternoon Session” ist vornehmlich den finalen Wettkämpfen vorbehalten. Die “Fieberkurve” steigt. Auch aus deutscher Sicht. Mit Desiree Singh ist im Stabhochsprung der weiblichen Jugend die Weltjahresbeste am Start. In einem hochklassigem Wettkampf machte aber die Australierin Parnov bis zur Höhe von 4,10m den souveräneren Eindruck. Erst ein Stabwechsel brachte Desiree auf die Siegerstrasse. Die Deutsche schaffte sogar eine neue Weltjahresbestleistung und überquerte 4,25m. Parnov mußte passen und wir konnten einen WM-Titel für Deutschland feiern. :-)

Doch dann war es endlich soweit:

Mayas Endlauf stand an. Zusammen mit der Britin Georgia Peel als einzige Europäerinnen gegen den Rest der Welt. Vornehmlich gegen die Ausnahmeläuferinnen aus Kenia und Äthiopien. Und diese ließen ein denkwürdiges Rennen folgen. Sämtliche Überlegungen zum Rennverlauf von Maya´s Bundestrainer Adi Zaar und Mutter Carmen wurden hinfällig.
Denn die taktischen Spielereien fielen aus! Es sollte das schnellste 1500m-Rennen werden , das jemals bei einer U18-WM gelaufen wurde.
Die erste Runde in 64Sekunden! Ein Höllenritt! Maya macht das einzig Richtige und geht am Ende des Feldes ihr eigenes Tempo. Trotzdem geht sie bei 800m noch in sehr schnellen 2:14min durch. Jetzt kann sie sogar an der Australierin Laman vorbeiziehen und liegt so auf Kurs unter 4:20min. Doch die letzte Runde wird hart. Laman geht wieder vorbei. Maya wird letztendlich 12. , kann aber dennoch eine neue persönliche Bestzeit für sich verbuchen: 4:23,70min!
Die Siegerzeit der Kenianerin Faith Kipyegon beträgt 4:09,48min. Wie gesagt Meisterschaftsrekord!

In einem tollen WM-Finale dabeigewesen und Bestzeit gelaufen! Maya , diese Leistung und diesen Erfahrungsschatz kann dir keiner mehr nehmen! :-)
Wir haben Deinen Auftritt im Nationaldress Live und in Farbe jedenfalls mehr als genossen!!

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